Das Polaroid und ein beginnender Tag haben das Dämmern als Gemeinsamkeit. Am Morgen, wenn das Licht die Nacht verjagt und nur hier und da einen Schatten übrig lässt, bekommt der Tag langsam seine Gestalt. Unscharf an manchen Stellen, aber hier muss geraten werden. Auch ein frisches Polaroid, das sauber nach Chemie riecht, dämmert so vor sich hin. Oft vergehen Minuten, bis man endlich etwas erkennt. Auch hier bleibt vieles im verborgenen. Die Werbung pries die Polaroidkamera immer als Sofortbildkamera an, besser wäre gewesen, es Warte-eine-Weile-Kamera zu nennen. Nichts für Menschen, die sich immer sofort ein Bild machen wollen. Sie sind heute besser dran. Versuche das Motiv herbei zu wedeln oder das Ergebnis im warmen Klima einer Gesäßtasche zu verbessern war Narren, Art Direktoren und Stylisten vorbehalten. Pola blieb eine launische Freundin, die aber viele hübsche Gesichter hat.
Und da der Tag und das Polaroid Ähnlichkeiten haben und gut zusammenpassen, hatte sich Oliver Seltmann überlegt ein Poladarium zu machen. Einen Abreißkalender, der nur aus Polaroids besteht und jeden Tag ein neues Motiv zeigt: Möven rauschen vorbei, Warhol lächelt, Blumen im milchigen Licht, verlassene Orte, volle Straßen oder schöne Frauenfüße. Spontane und inszenierte Momente von unterschiedlichen Fotografen und Fotografinnen, die zu ihrem geschossenen Polaroid auch immer noch eine kleine Geschichte haben. Hier zeigt Pola ihre Pracht. Einen Vorteil hat der Tag gegenüber dem Polaroid, wenn der mal „verwackelt“ beginnt, muss es nicht unbedingt so bleiben. Das Poladarium 2012 erscheint im Seltmann Verlag.
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